Die chinesische Kulturrevolution: Der Versuch, die Menschlichkeit in China zu zerstören

31-05-2016 22:51:20 Autor:   James Burke Kategorien:   Gesellschaft , Politik

Ein Kampf im Chaos der chinesischen Kulturrevolution (Bild: China Uncensored via Screenshot/YouTube)

Die wirtschaftliche und soziale Kampagne der Kulturrevolution, auch bekannt als „großer Sprung nach vorn“, wurde vom damaligen Vorstandsvorsitzenden Mao Zedong ins Leben gerufen und verursachte eine Hungerkatastrophe, welche laut dem Historiker Frank Dikötter (2012) zum Tod von 45 Millionen Menschen in China führte.

Dikötter sagte, dass mindestens zwei bis drei Millionen von ihnen während der vierjährigen Hungersnot zu Tode gefoltert oder hingerichtet worden seien – dies ergibt sich aus Zahlen der chinesischen Archive. Kürzlich deutete Dikötter an, dass trotz des Ausmaßes dieses Elends die nächste politische Entwicklung, welche von Mao dirigiert wurde, – die „große Proletarische Kulturrevolution“ – noch viel verheerender für den menschlichen Geist der Chinesen war.

Nach weiteren Nachforschungen schätzt Dikötter, dass 1,5 bis 2 Millionen Menschen während des organisierten Chaos' der Kulturrevolution zwischen 1966 und 1976 getötet wurden. „Es muss hervorgehoben werden, dass im Gegensatz zu Maos „Großem Hunger“, der noch vorher, also von 1958 bis 1962 stattfand, die Bezifferung [an Toten] eher gering ist“, sagte Dikötter in einem Radiointerview mit NPR’s FRESH AIR im Mai 2016.

Der Punkt ist, dass weniger der Tod, sondern eher das Trauma  die Kulturrevolution auszeichnet.

... sagte Dikötter, Professor für Geisteswissenschaften an der Universität Hongkong.

Es war die Weise, auf die sich die Menschen gegenseitig ausspielten und dazu verpflichtet wurden, ihre Familienmitglieder, Kollegen und Freunde zu denunzieren. Es ging um Verlust, sowohl Vertrauens- als auch Freundschaftsverlust, Verlust, an andere Menschen zu glauben, Verlust an Berechenbarkeit in sozialen Beziehungen. Und das ist wirklich die Narbe, die die Kulturrevolution hinterlassen hat.

Mao strebte danach, China von gutbürgerlichen Werten und jeglichen antikommunistischen Elementen zu befreien; dies wurde anfangs mit Hilfe von radikalen Studenten, auch bekannt als Rote Garde, durchgeführt. Mao und die Parteizentrale beauftragten die Rote Garde zusätzlich damit, dass sie die Four Olds – alte Bräuche, Manieren, Sitten und Kultur – gewaltsam beiseiteschafften.

Es ging auch darum, dass Mao seine Macht über die Partei, welche aufgrund des Scheiterns des „großen Sprungs nach vorn“ geschwächt worden war, wieder geltend machte.

Schau' Dir diese Videos über die Kulturrevolution an:


 

Im Zuge dessen begannen verschiedene Revolutionsgruppen und -fraktionen Chinas miteinander zu streiten – manche stritten sich sogar darüber, wer Maos Ideologie am besten befolgte. Zu gegebener Zeit wurde dann auch die „Volksbefreiungsarmee“ einbezogen.

„Im Januar 1967 befehligte Mao die Armee das zu unterstützen, was er als 'Revolutionäre Linke“ bezeichnet“, sagte Dikötter. „Aber die Offiziere, die die Armee führten, wussten nicht, wer die wahre 'Revolutionäre Linke' ist. Die Offiziere und verschiedene Teile der Armee unterstützen viele verschiedene politische Fraktionen“, sagte er,  „und alle von ihnen glaubten fest daran, im Namen von Mao Zedong zu sprechen.“

Chaos und Gewalt wurden verstärkt, als das Militär die Bevölkerung im Jahre 1967 mit Waffen ausstattete und nun Fraktion gegen Fraktion kämpfte. Alle von ihnen glaubten dabei, dass sie auf der Seite Maos stünden.

Die schlimmsten der resultierenden Gräueltaten geschahen in Chinas Süden, besonders in der Provinz Guangxi.

„Dort sah man, dass sich im ganzen Jahr 1967 und auch in 1968 ländliche Fraktionen nicht nur begannen sich gegenseitig zu töten, sondern sich in ein paar kleinen Städten sogar buchstäblich rituell aufzuessen“, sagte Dikötter.

In anderen Worten: es reicht nicht aus, seinen Klassenfeind zu töten. Du musst sein Herz essen, also gibt es sehr gut dokumentierte Fälle von ritualisiertem Kannibalismus.

Kopien von offiziellen Dokumenten wurden aus China herausgeschmuggelt und legten dar, dass kannibalistische Handlungen von Beamten der lokalen Kommunistischen Partei der Provinz Guangxi organisiert wurden, berichtete The New York Times 1993. Aus den Dokumenten geht hervor, dass diejenigen, die sich an den Handlungen beteiligten, dies taten, um ihren revolutionären Geist zu beweisen.

Schau' Dir dieses Video an, um zu erfahren, was der 50. Jahrestag der Kulturrevolution im heutigen China bedeutet:

 

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