Journalistin berichtet, was sie als Zeugin des Studentenmassakers am 3. und 4. Juni 1989 sah

06-06-2016 23:00:44 Autor:   Ci Hang Kategorien:   Nachrichten , China , Menschenrechte , Videos

Ein Bild das um die Welt ging und mehr sagt als tausend Worte. (Bild: 64memo.com)

Eine chinesische Journalistin erinnert sich an das Studentenmassaker auf dem Platz am Tor des himmlischen Friedens in Peking. Sie war direkt vor Ort, in einem Pekinger Hotel, und sah am 4. Juni 1989 von dort aus das Töten und Abschlachten von Menschen.

Jan Wong, Journalistin, berichtet:

Als ich ihnen gestern erzählte, was ich damals am 3. und 4. Juni in Peking mit eigenen Augen sah, weinten meine ausländischen Kollegen.

Jan Wong – damals selber Studentin – erzählte, was sie von ihrem Hotel aus sah:

 

„Am Abend des 3. Juni, von etwa 23:00 Uhr bis hinein in den frühen Morgen des darauffolgenden Tages, kamen Einheiten der kommunistischen Armee mit Panzern aus vier Richtungen nach Peking. Die Soldaten schossen auf Menschen. Viele Menschen wurden verletzt – viele starben. Es gab nicht genügend Krankenwagen, deshalb kamen die Pekinger Bewohner mit ihren Dreirad-Fahrradwagen (das sind Fahrräder mit drei Räder und mit einer kleinen Ladefläche aus Holzbrettern), legten die Verletzten darauf und schoben oder zogen sie davon. Es starben Studenten, Einwohner, junge Leute, Kinder, Alte – Menschen aus allen Schichten. Manche wurden sogar zu Hause erschossen, weil die Soldaten einfach überallhin schossen. Plötzlich schlugen Kugeln durch ein Fenster oder eine Wand, auch weit oben in den oberen Etagen.“

 

(Bild: blog.boxun.com, von den Soldaten erschossene Studenten am 3./4. Juni 1989)

 

Am Vormittag des 5. Juni  sah Jan Wong vom Hotelzimmer aus auch die unglaubliche Szene, die weltweit durch die Medien ging: „Ein junger Mann stand vor einer Reihe von Panzern. Der junge Mann in weißem Hemd und schwarzer Hose stand unerschrocken vor ihnen und wollte sie zum Stehen bringen. Ich dachte, dieser junge Mann ist ein Pekinger Junge und er wird gleich tot sein.“

 

Mittlerweile wissen wir, wie dieser mutige junge Mann heißt: Wang Weilin. Jan Wong erinnert sich: „Der Mann begann zu weinen.“ Nach ihren eigenen Einschätzung raubte das Verbrechen vom 4. Juni circa 3.000 Menschen das Leben.

Aus dem Pekinger Hotel war noch eine weitere kleine Geschichte durchgesickert: Eine Angestellte teilte den Hotelgästen am 4. Juni mit, dass es nicht mehr genügend Lebensmittel gab. Deshalb konnten sie nur noch Spiegeleier zubereiten – aber zum Essen ging an diesem Tag sowieso niemand.

 

In diesem Video erfährst Du von einem westlichen Augenzeuge was er am 4. Juni sah:

 

 

Zum Jahrestag des Massakers wird auch in diesem Jahr an vielen Orten weltweit der Toten gedacht.

 

LIKE uns auFacebook, oder folge uns auf  Twitter.