Pekings Diebstahl des Jahrhunderts: Wohin ging Chinas Gold?

16-01-2017 04:23:12 Autor:   Vision Times Kategorien:   Politik , Wirtschaft

Chiang bewegte den Schatz von Millionen von Tael (eine Million Tael (兩; pinyin: liǎng, eine alte chinesische Gewichtseinheit) ~ 37 Tonnen) Gold in den zwölf Monaten nach dem 02.12.1948 über Meere und Lüfte. (Bild: pixabay / CC0 1.0)

Im Morgengrauen des 2. Dezember 1948 wurden Männer gesichtet, die mit langen Stangen schwere Kisten der Bank of China entlang des Damms trugen. Schließlich luden sie sie auf maßgeschneiderte Schiffe am Kai.

Der britische Journalist George Vine schaute aus dem Fenster seines Zimmers im Peace Hotel in Shanghai und sah, wie Soldaten den Kai abriegelten, während andere mit geladenen Gewehren an jeder Ecke standen.

Was Vine beobachtete – und worüber er natürlich in seiner Zeitung in London berichtete – war der Beginn einer kritischen Episode des Bürgerkriegs in China: Chiang Kai-Shek’s Transfer von Gold, Silber und ausländischer Währung von Festlandchina nach Taiwan.

 

Chiang Kai-Shek. (Bild: Wikipedia / CC0 1.0)

 

Chiang bewegte einen Schatz von Millionen Tonnen Goldes in den darauffolgenden zwölf Monaten über das Meer und die Luft. Der ganze Schatz diente als Reserve für den Neuen Taiwan-Dollar und machte es möglich, dass sich die Insel nach dem Krieg erholte. Eine hohe Inflation und der erstaunliche ökonomische Erfolg Taiwans über die Jahrzehnte hinweg können alle dem Beuteschachzug zugeschrieben werden. Chiang Kai-Shek sagte einst:

Als die Regierung nach Taiwan zog, wäre es ohne das Gold aus Shanghai undenkbar gewesen, die finanzielle und ökonomische Not auszugleichen. Natürlich würde es nicht die Stabilität von heute geben!

Für Peking war dies ein unverzeihbarer Diebstahl des Vermögens der chinesischen Nation. Für die Kuomintang (Nationale Volkspartei Chinas) war dies hingegen eine berechtigte Entscheidung ihres Präsidenten, weil es ihnen dadurch erspart blieb, der Rebellenarmee in die Hände zu fallen. Außerdem hätte die Nationalistische Regierung in Taiwan nicht überleben können.

Das Buch "The Archives of Gold" gewährt einen ungefähren Einblick in den Raub. Der Autor des Buchs ist Dr. Wu Sing-Yung, ein Professor der Radiologie an der University of California und der Sohn von dem Mann, der den Plan des Raubzugs entworfen hat.

Sein Vater war Lieutenant General Wu Song-Ching, der Leiter der Finanzabteilung der Kuomintang. Chiang beauftragte ihn, das Gold zu bewegen. Seinen Posten behielt er 15 Jahre lang, von 1946 bis eine Woche vor seinem Tod im Jahr 1991. Glücklicherweise schrieb er ein Tagebuch.

Wu erzählte weder seiner Familie noch seinen Freunden von seiner Beteiligung an dem Raub. Erst nach seinem Tod, als seine Frau ihrem Sohn das Tagebuch  gab, kamen die Sachen ans Tageslicht. Ihr Sohn las das Tagebuch und entdeckte schnell, wie bedeutsam die Rolle seines Vaters bei der Rettung der Nationalistischen Regierung war.

Dr. Wu schrieb:

„Die Bewegung des Goldes wurde ausschließlich von einer Person bestimmt – Chiang Kai-Shek… Selbst der Finanzminister hatte keine Macht über den Transfer.“

Chiang übermittelte seine Befehle mündlich, ohne jegliche schriftliche Spur zu hinterlassen. Einzig er und mein Vater wussten von den Transporten.

Ein weit verbreiteter Glaube ist, dass das Gold von China den heutigen Taiwanesischen Dollar erschuf. Nur sechs Monate nachdem die Gold-Operation begann, wurde der Neue Taiwan-Dollar eingeführt. Es löste den Alten-Taiwan-Dollar in einem Kurs von 1 zu 40.000 ab.

Es wird geschätzt, dass 800.000 Tael Gold (兩; pinyin: liǎng, eine alte chinesische Gewichtseinheit) und 10 Millionen US$ aus Shanghai die Stabilität des Landes sicherstellten, welches zuvor seit 1945 unter einer Hyperinflation litt. Der Rest des Goldes wurde dafür benutzt, die zwei Millionen Soldaten und Zivilisten umzusiedeln, die aus China flohen.

Die Kuomintang bestätigte, dass 2,27 Millionen Tael, das sind cirka 85 Tonnen Gold nach Taiwan gebracht wurden; allerdings bestritten sie, dass es als Fundament Taiwans benutzt wurde. Chiangs Sohn, Chiang Ching-Kuo schrieb später:

Wenn wir das Gold in der Anfangsphase des Umzugs der Regierung nach Taiwan nicht gehabt hätten, wäre es unvorstellbar, was alles hätte passieren können. Wie könnten wir die heutige Stabilität haben?

Es bleibt der Vorstellung überlassen, was die kommunistische Armee nach dem Niedergang Shanghais dachte, als sie den Tresor der Bank of China öffneten und ihn leer vorfanden. Nach örtlichen Aufzeichnungen Shanghais war der Tresor mindestens drei Basketball-Felder groß.

Alle Banktresore Shanghais zusammengenommen umfassten nur noch 175,2 Kilogramm Gold – nur noch ein mageres Prozent des ursprünglichen Goldes!

Wegen der hohen Geheimhaltung und dem Fehlen von Schriftstücken ist es schwer zu sagen, wie viele Schätze genau nach Taiwan geschafft wurden. Wu schätzt, dass 1949 vier Millionen Tael (~148 Tonnen) Gold genommen wurden. Wie hoch die Ziffer auch immer ist, für Peking war dies der Diebstahl des Jahrhunderts.

 

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