Professor Hüther: Wer glücklich ist, kauft nicht!

13-10-2017 10:51:37 Autor:   Maria Betke Kategorien:   Forschung , Entdeckungen , Menschen , Leben , Freizeit , Gesundheit , Videos

Das Geheimnis des Gelingens (Bild: youtube.com)

 

Der konstruktive Gehirnforscher Harald Hüther, Professor für Neurobiologie, leitet die Zentralstelle für Neurobiologische Präventionsforschung der psychiatrischen Universitätsklinik der Stadt Göttingen und das Institut für Publik Health der Universität Mannheim-Heidelberg. Als solcher versteht er Brücken zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und gesellschaftlicher bzw. individueller Lebenswirklichkeit zu bauen. Sein zentrales Thema liegt in der Umsetzung von Erkenntnissen oder das Geheimnis des Gelingens, nämlich die Entfaltung der in dem Menschen angelegten Potentiale und die Möglichkeit des gemeinsamen über sich Hinauswachsens. Hierbei stoßen wir auf Fragen: Kann der Mensch anders denken? Wenn ja, müsste er dann anders fühlen. Kann er anders fühlen? Wie abhängig ist er vom Konsumdenken? Welche Prozesse müssten in unseren Hirnen angestoßen werden? Warum kann man sich aus eingefahrenen Denkmustern nicht herauslösen?

Mit Wissenschaft und Technik haben die Menschen bislang nicht geschafft, Hunger, Not und Elend zu überwinden, Kranheiten zu besiegen und eine friedliche Welt mit blühenden Landschaften zu gestalten.  Ganz im Gegenteil produzieren Menschen hochgefährliche Waffen und stellen die ganze Menschheit vor globale Kriege. Unterentwickelte Länder werden nach wie vor schonungslos ausgebeutet. Die Massenmedien geben sich als Manipulationsinstrumente her. Der genetische Code wurde entschlüsselt und die Gene werden gezielt gelenkt. Atome wurden in ihre kleineren Bestandteile zerlegt und die Atombombe entwickelt. Die Umwelt wurde verschmutzt und der Nährboden für Krankheiten geschaffen. Aber wer will schon umdenken? Die meisten Menschen jedenfalls nicht.

Es sind nur wenige, die Alarm geben und zur Umkehr drängen. Diese Menschen werden sogar als Verschwörungstheoretiker und Spinner beschimpft. So stark gezüchtet wurde die bisherige materialistische Denkweise, dass sie sich kaum Kritik gefallen lassen kann. Nun spricht Professor Hüther von den entdeckten Verbindungen zwischen den einzelnen Gehirnleistungen und dem Organ Herz. Selbst unsere Überzeugungen und Vorstellungen sind nicht nur im Hirn verankert, sondern auch im Herzen, die wiederum mit den emotionalen Zentren im Gehirn gekoppelt und nochmals zuständig für unsere Körperfunktionen sind.

Es hat sich in unserem Verhalten heraus kristallisiert, dass man kurzfristig am besten vorankommt, wenn man alleine, herauslöst von allen Verbundenheiten, Verpflichtungen und Verantwortungen rücksichtslos und blind seine eigenen Ziele verfolgt. Professor Hüther erzählt von einer Studie mit einhalb-jährigen Kindern, die sich eine Sendung in einem Bildschirm angeschaut hatten. Es wurde ein Berg gezeigt, auf dem ein gelbes kleines Männlein schwerlich nach oben krabbelt, es rutscht mehrmals nach unten ab und muss schnaufen. Das war die erste Sequenz. Bei der zweiten Sequenz bekamen die Babies wieder das kleine gelbe Männlein zu sehen, das den Berg schwerlich hochkrabbelt. Es kam ein grünes Männlein dazu, dass dem gelben Männlein half nach oben zu kommen und schob es an. So kamen beide nach oben auf die Spitze. Bei der dritten Sequenz gab es wieder das gelbe Männlein, das den Berg schwerlich nach oben hoch krabbelte und als es oben ankam, war da ein blaues Männlein, das das gelbe Männlein nach unten drückte. Am Ende dieser Sendung wurden den Babies ein kleines grünes und ein kleines blaues Männlein, das sie in dem Film gesehen hatten, vorgesetzt. Wir können davon ausgehen, dass die Babies in diesem Alter ohne viel zu denken, nicht das nehmen, das sie nicht mögen. Nach was haben nun die einhalb-jährigen Kinder gegriffen? Alle Kinder nahmen das grüne Männlein, also den Unterstützer. Das ist also ein Nachweis, dass die Menschen nicht als brutale Egoisten auf die Welt kommen. Dieser Versuch mit der dreiteiligen Sendung wurde sechs Monate später mit den gleichen Kindern nochmals wiederholt und jedem Kind wieder ein blaues und ein grünes Männlein vorgesetzt. Diesmal waren es aber 10 bis 20 % der einjährigen Kinder, die das blaue Männlein, den Herunter-Stoßer, nahmen. Von wem haben die Kinder das gelernt? Von wem haben sie das beobachtet? Hier spricht der Gehirnforscher vom "systemischen Denken". Im familiären System gibt es also jemanden, der auf Kosten anderer sich erfolgreich durchsetzt. Denkmuster werden in die nächste Generation transportiert, wir sind nicht so geboren. 

Kinder kommen mit einer Offenheit und Neugierde zur Welt, weil es keine genetischen Programme gibt. Bei ihnen gibt zu viele Nervenzellen, mit denen man alles machen kann. Das Neugeborene ist mit überschüssigen Schaltstellen im Gehirn ausgestattet, die im Erwachsenen-Alter um ein Drittel zurückgehen. Aber selbst Erwachsene können zeitlebens noch umdenken und umfühlen, wenn es einen Grund dazu gäbe, der stark genug ist.

Dann machen die Kinder noch zwei wichtige Erfahrungen, wenn sie noch im Bauch sind: Sie sind mit der Mutter verbunden und sie wachsen. Nach der Geburt wollen sie weiterwachsen und sich entfalten in der Hoffnung, in der Welt etwas zu entdecken und zu gestalten. Es sind bestimmte Transmitter (z.Bsp. Dopamin) im Neugiersystem des Gehirns, die aktiv sind. Sie wollen zeigen, dass sie etwas können und dann autonom sowie frei werden. Dabei ist das Bindungssystem im Gehirn tätig, das mit anderen Transmittern arbeitet. Wenn das Kind nach draußen kommt, will es willkommen geheißen werden und die Nähe und Geborgenheit weiterhin erfahren.

Die hierfür zuständigen Netzwerke im Gehirn sind die Selben, wie diejenigen, die Schmerzen fühlen lassen, wenn die Verbindung zum Körper gestört ist. Das heißt, wenn jemand aus der Gemeinschaft ausgestoßen wird, hat er psychische Schmerzen, die dem Gehirnteil zugeordnet werden, der auch für körperliche Schmerzen zuständig ist. D.h. wenn die Beziehung zu einem Menschen gestört ist, tut es weh. Wenn es körperliche Störungen gibt, tut es weh. Beide Konfliktzustände (soziale und körperliche Mißstände) kann man lange nicht aushalten und dann nimmt man das, was man kriegen kann.

Und jedes Mal, wenn es gelingt, einen Ersatz zu nehmen, dann ist man ein wenig froh. Das Belohnungszentrum im Gehirn wird aktiviert und die neuroplastischen Botenstoffe, der Dünger für das Hirn, werden ausgeschüttet. Übrigens, dem Gehirn ist es egal, womit man sich begeistert! Hauptsache die emotionalen Zentren des Gehirns sind aktiviert, die davon abhängen, was für den jeweiligen Menschen speziell wichtig ist. Wenn die Ersatzmittel eine Befriedigung schaffen, dann können die Botenstoffe die dahinter liegenden Nervenzellen dazu bringen, neue Eiweise zu produzieren, die neue Fortsätze und neue Kontakte entwickeln, um so die Netzwerke dichter zu gestalten. 

Die Begeisterung, die man offensichtlich braucht, damit im Gehirn sich etwas ändert, kann nicht verordnet oder mit klugen Ratschlägen erzeugt werden. Es muss das Herz bewegt werden und wenn man sich über alles begeistern kann, dann wird das ganze Gehirn gedüngt und nicht nur ein Teil herausgefordert. Ist also die Begeisterung des Herzens stark, kann etwas Neues hinzu gelernt werden. Professor Hüther verdeutlicht, dass das Ergebnis nicht ein hirntechnisches Problem ist, sondern ein Begeisterungsproblem. Wollen wir eine Befriedigung und nehmen, was wir kriegen, dann entwickeln wir uns zu Konsumenten, um uns gut zu fühlen. Wir kaufen immer mehr, was wir schon gar nicht mehr brauchen. Die Lösung wäre, wir müssten uns für etwas anderes als bisher begeistern und trotz unserer negativen Erfahrungen immer wieder neu denken.  

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